Für diese intensive Reise nach Guangzhou wählte ich bewusst Guangdong Yingbin Hotel, Guangzhou, ein traditionsreiches, staatliches Hotel, das seit Jahrzehnten von den Einheimischen geschätzt wird. Schon beim Betreten des Hauses umfing mich das üppige Grün der Banyanbäume im Garten und schirmte den Trubel der Beijing Road sanft ab.
Die Rezeptionistin, mit ihrem sanften kantonesischen Akzent, erinnerte mich bei der Übergabe meines Zimmerschlüssels daran, dass einige der großen Banyanbäume im Garten über hundert Jahre alt seien und man dort oft ältere Einheimische bei ihren Morgengymnastikübungen beobachten könne. Als ich durch den mit Phönixbäumen bewachsenen Innenhof zu meinem Zimmer ging, bot sich mir ein herrlicher Blick auf das grüne Blätterdach. Eine sanfte Brise trug den zarten Duft von Magnolienblüten herüber, und die Luft wirkte entspannt – so typisch für die Altstadt. Das Zimmer war geschmackvoll eingerichtet, ohne protzige, trendige Verzierungen. Die Massivholzmöbel strahlten eine warme, einladende Atmosphäre aus, und die Schreibtischlampe spendete genau die richtige Menge Licht – perfekt, um abends Reisefotos zu sortieren, ohne die Augen anzustrengen.
Am meisten überraschte mich der Hotelgarten. Dieser fast 30.000 Quadratmeter große Innenhof liegt mitten im Stadtzentrum. Pavillons und Terrassen verstecken sich zwischen uralten Bäumen, und selbst die künstlichen Hügel und Teiche in den Ecken zeugen von viel Liebe zum Detail. Als ich tiefer in den Hof hineinwanderte, entdeckte ich unerwartet einen kleinen Pavillon. Ich setzte mich hinein, genoss die Brise, nur Vogelgezwitscher und das Rascheln der Blätter drangen in meine Ohren, und vergaß völlig, dass ich mich im Yuexiu-Bezirk befand, Guangzhous pulsierendstem Viertel. Die jahrhundertealten Banyanbäume im Garten hatten Luftwurzeln, die herabhingen, und das Abendlicht filterte durch die Blätter und tauchte sie in ein goldenes Licht. Jedes Foto, das ich machte, schien eine Geschichte aus vergangenen Zeiten zu erzählen.
Das Frühstück übertraf meine Erwartungen bei Weitem. Die gedämpften Reisrollen aus der offenen Küche waren unglaublich zart, der Reisbrei so cremig, dass er auf der Zunge zerging, und selbst der kantonesische Reisbrei war reichlich gefüllt. Ich wartete extra am Dim-Sum-Stand auf eine frisch zubereitete Garnelen-Dumpling; der Teig war so dünn, dass man die ganze Garnele darin sehen konnte, und ein Bissen war so frisch, dass ich die Augen zusammenkneifen musste. Das Fenster des Restaurants geht zum Banyanbaum im Innenhof hinaus. Morgens Tee zu genießen und dabei das Grün draußen zu betrachten, ist der Inbegriff eines typischen, entspannten Morgens für die alteingesessenen Bewohner Guangzhous.
Die Lage des Hotels ist äußerst reizvoll. In zehn Minuten erreicht man zu Fuß den Yuexiu-Park, und ein Spaziergang den Hügel hinauf führt zur Statue der Fünf Widder. Nach fünfzehn Minuten erreicht man die Fußgängerzone Beijing Road, wo man die historische Straße erkunden und authentische kantonesische Snacks finden kann. Am Abend spazierte ich zwanzig Minuten zum Perlfluss, um den Sonnenuntergang zu genießen. Auf dem Rückweg schlenderte ich durch alte Gassen, wo ältere Frauen in ihren Hauseingängen saßen und sich mit Palmenfächern Luft zufächelten. Selbst der Duft der süßen Suppenstände in der Luft wirkte unglaublich einladend.
Während meines zweitägigen Aufenthalts hetzte ich nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Morgens übte ich eine halbe Stunde lang Tai Chi mit einem Einheimischen im Garten. Nachmittags genoss ich eine Tasse Yingde-Schwarztee, die mir das Hotel im Pavillon serviert hatte. Abends flanierte ich die Jiefang North Road entlang und beobachtete, wie die Lichter der alten Gebäude allmählich die Nacht erhellten. Früher, bei meinen Besuchen in Guangzhou, war ich immer damit beschäftigt, die Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Diesmal, im Guangdong Yingbin Hotel, Guangzhou, wurde mir bewusst, dass das authentischste Erlebnis des alten Guangzhou nicht darin besteht, von einem Ort zum anderen zu hetzen, sondern darin, einen Ort zu finden, an dem die Zeit stillzustehen scheint, und die lebendige Atmosphäre der Stadt langsam in sich aufzunehmen. Wenn ich das nächste Mal nach Guangzhou komme, werde ich auf jeden Fall wieder hierher zurückkehren, um dieses gemächliche, alte Guangzhou-Leben, das sich im Stadtzentrum verbirgt, weiter zu erleben.Mehr anzeigen